18. Mai 2017

Weiter gute Auftragslage im badischen Zimmerer- und Holzbaugewerbe

Holzbau Baden fordert Impulse für den Wohnungsbau


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Die Geschäftslage im badischen Zimmerer- und Holzbaugewerbe hat sich in den vergangenen Monaten weiter positiv entwickelt. Dies ergab eine Erhebung des Verbandes Holzbau Baden unter seinen Mitgliedsbetrieben. „Das konjunkturelle Zugpferd bleibt der Wohnungsbau; etwas schwächer stellt sich die Lage im Wirtschaftsbau und im Öffentlichen Bau dar“, stellte Verbandspräsident Rolf Kuri anlässlich der Mitgliederversammlung von Holzbau Baden am 12. Mai 2017 in Bühl fest. Die Aussichten für die nächsten Monate werden von den Unternehmen überwiegend optimistisch bewertet. Als wichtige Zukunftsmärkte für die kommenden Jahre betrachten die Firmen weiterhin die energetische Modernisierung und das Bauen im Bestand.

Im Wohnungsbau werden in Baden-Württemberg inzwischen 26,8 Prozent der genehmigten Wohngebäude in Holzbauweise realisiert. Im Nichtwohnbau liegt der Anteil bei 23,8 Prozent. Damit erreicht das Bundesland, was die Holzbauquote angeht, bundesweit die Spitzenposition.

Sorge bereitet den Betrieben ein zunehmender Fachkräftemangel. In Südbaden klagen 61 Prozent der Holzbauunternehmen über ein zu geringes Angebot an qualifizierten Zimmerern auf dem Arbeitsmarkt. Was die Entwicklung im Nachwuchsbereich angeht, so ist die Zahl der Auszubildenden im Zimmererberuf im Bereich Südbaden im Vergleich zum Vorjahr geringfügig um 1,1 Prozent auf 624 zurückgegangen. Angesichts des hohen Bedarfs an qualifizierten Fachkräften und der in den kommenden Jahren zu erwartenden rückläufigen Schulabgängerzahlen setzt Holzbau Baden gemeinsam mit dem Verband Bauwirtschaft Baden-Württemberg die groß angelegte Nachwuchskampagne „Bau – Dein Ding“ um. So wird an Schulen und auf Berufsmessen sowie über den Internet-Auftritt www.bau-dein-ding.de intensiv für die Ausbildung in den Bauberufen geworben. Darüber hinaus profitieren die Mitgliedsbetriebe von einem umfangreichen Werbemittelangebot für die Nachwuchsgewinnung.

Um Arbeitsunfälle weitgehend zu vermeiden, zumindest aber deutlich zu reduzieren, haben die Holzbauverbände 2013 bundesweit die Präventionskampagne „Absichern statt abstürzen“ gestartet. Ziel ist es, unter anderem mit Hilfe von Infoveranstaltungen und Workshops die Arbeitssicherheit nachhaltig im Alltag der Unternehmer und Beschäftigten zu verankern. Ergänzt wird die Kampagne durch einen „Partner-Check“ – dabei werden die Mitarbeiter der Holzbauunternehmen noch weitergehend in die Aktion eingebunden, indem sie verstärkt Verantwortung für die Sicherheit der Kollegen übernehmen. Gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft BG BAU werden zudem im Rahmen eines Runden Tisches „Sichere Bauprozesse im Zimmererhandwerk“ konkrete Maßnahmen erarbeitet, welche dazu beitragen können, das Unfallgeschehen im Holzbau deutlich zu senken. Die Ergebnisse werden den Zimmererbetrieben vor Ort über geschulte Multiplikatoren in flächendeckend durchgeführten Veranstaltungen vermittelt.

Verstärkte Anstrengungen wird das Zimmererhandwerk in der Innvovationsförderung unternehmen, um den Holzbau, unter anderem in Bezug auf die Bereiche Brandschutz, Schallschutz sowie europäische Bemessungsnorm Eurocode 5, weiterzuentwickeln. Die Landesverbände des Zimmererhandwerks stellen für entsprechende Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen zusätzliche finanzielle Mittel bereit.

Holzbau Baden fordert Verbesserung der Rahmenbedingungen im Wohnungsbau

Angesichts der nach wie vor zu niedrigen Fertigstellungszahlen im Wohnungsneubau sowie der zunehmenden Wohnungsnot in Ballungszentren und größeren Städten fordert der Verband Holzbau Baden die Schaffung steuerlicher Anreize durch die Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten im Mietwohnungsbau. Darüber hinaus müssen die komplizierten Bauvorschriften entrümpelt werden, um die oft langwierigen Baugenehmigungsverfahren zu beschleunigen. Ein Engpass für den Wohnungsbau wird zudem durch die Verknappung des Baulandes verursacht. Eine ausreichende Baulandausweisung ist daher dringend erforderlich.

Zusätzlich muss die energetische Gebäudesanierung steuerlich gefördert werden – nur so können die ehrgeizigen klimapolitischen Ziele der Bundesregierung erreicht werden.

Ein wichtiges Anliegen des badischen Zimmererhandwerks ist die Beseitigung von Hemmnissen bei der grenzüberschreitenden Tätigkeit deutscher Holzbauunternehmen in Frankreich und in der Schweiz. Zu nennen sind für die Schweiz z.B. die in einigen Kantonen geltende Kautionspflicht sowie die seit Mitte 2016 verschärfte Acht-Tage-Voranmeldefrist. Ab 1. Januar 2018 müssen deutsche Unternehmen außerdem einen in der Schweiz ansässigen Fiskalvertreter benennen. In Frankreich behindern die Pflichtversicherung „garantie décennale“, die obligatorische Benennung eines im Land ansässigen Vertreters sowie der vorgeschriebene kostenpflichtige Erwerb einer „Carte d’identification BTP“ (Bauhandwerkerkarte) deutsche Bauunternehmen. Darüber hinaus müssen umfangreiche Unterlagen und Nachweise in französischer Sprache mitgeführt werden. Holzbau Baden setzt sich auf politischer Ebene für die Aufhebung der zum Teil protektionistischen Regelungen ein.

Präsident Rolf Kuri und die beiden Vizepräsidenten Roland Wunsch und Herbert Hug am Präsidiumstisch bei der Mitgliederversammlung von Holzbau Baden (v.l.n.r.)